Ausflug nach Konstanz – Das Märchen vom letzten Gedanken (Blog)

Samstag,  12. April, 10 Uhr, Frankfurt am Main – Die Reise nach Konstanz beginnt.
Unterwegs werden noch einige Armenier in Darmstadt und Mainz abgeholt.
Mit insgesamt 14 Armeniern und nach einer langen, aber abenteuerlichen Fahrt kommen wir in der wunderschönen Stadt Konstanz an. Nach einer kleinen Stadtbesichtigung und einem Besuch im Konstanzer Münster geht es endlich zum Stadttheater.
Wir holen die reservierten Karten ab und warten im Foyer, denn vor jeder Aufführung soll das Theater einen Text vorlesen, welcher die Sicht der Türken darstellt.
(Link: http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Premiere-vom-Maerchen-vom-letzten-Gedanken-unter-Polizeischutz;art372448,6794391)
Es wird schnell klar, dass dies nichts mit der Meinung des Theaters gemein hat und dass trotz der Proteste nichts am Theaterstück verändert wurde.
Das Signal zum Beginn der Vorstellung ertönt, wir begeben uns in den Theatersaal. Die Spannung steigt. Bevor das Stück beginnt wird uns erklärt, dass heute ein besonderer Abend sei, denn Edgar Hilsenrath, Autor des Romans, auf dem das Stück Basiert, sei unter den Zuschauern und dies sei für alle eine große Ehre. Es wird applaudiert und langsam wird es dunkel und immer stiller.
Der Vorhang geht auf und wir sehen eine einheitliche, graue Kulisse, die an Steinpflaster erinnert. Vorne sehen wir einen alten Mann, im Hintergrund sehen wir fünf weitere Menschen im Dunkeln stehen.
Der alte Mann ist Thovma Khatisian (Herbert Wegner), der im Sterben liegt und plötzlich eine Stimme und dann mehrere als Echo hört.
Es sind die Meddhas, die Märchenerzähler, die das Märchen vom letzten Gedanken erzählen werden.
Die Inszenierung besteht aus fünf Märchenerzählern, die in verschiedene Rollen schlüpfen, um die Geschichte der Khatisians und somit auch den Leidensweg des armenischen Volkes zu erzählen.
Die Geschichte beginnt mit der Geburt des stillen Zeugen der Massaker, Thovma Khatisian, der weder weiß, wer seine Mutter noch wer sein Vater war. Thovma Khatisian war sein Leben lang auf der Suche nach seiner Identität. Und so erzählt der Meddah (Friederike Pöschel), wie sein Vater im Gefängnis gequält und als Sündenbock gefoltert wurde. Hierfür springen die fünf Meddahs in die Rollen von Wartan Khatisian (Andre Rhode), dessen Oberkörper mit armenischen Namen in armenischer Schrift bedeckt war, dem Saptieh (Eléna Weiß), dem Müdir (Thomas Fritz Jung) und dem Wali (Franziska Kleinert). Diese Szene bekommt einen historischen Schlenker, bei dem deutsche Stimmen aus Generalität und Politik sich auf beschämende Art und Weise über die deutsche Mitverantwortung des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts äußern.
Danach wird die Geschichte von Wartan Khatisian von seiner Geburt über die Berufswahl, Dichter – beim „Schekerli-Fest“, seine erste Hochzeit mit Arpine (Eléne Weiß), ihr Tod während der Schwangerschaft, die Auswanderung nach Amerika, die zweite Heirat mit der aus einem verbrannten Haus nach einem Massaker geretteten Anahit (Friederike Pöschel) erzählt.
In diesen Szenen wird viel von armenischen Ritualen und alten Traditionen gezeigt oder erzählt, wie dem „Schekerli-Fest“ und einer Hochzeitfeier, die sieben Tage und sieben Nächte dauerte.
Der Zuschauer wird vertrauter mit dem armenischen Volk, um dann zu verstehen, dass die Methode aller Völkermorde der Grausamkeit, Herabwürdigung und des Säuberungswahns dienen.
In der letzten Szene wird deutlich, dass auf das Massaker an den Armeniern das der Juden folgte.
Auschwitz 1944- die Seelen des Armeniers Wartan und eines Türken warten, um in den Himmel aufzusteigen und selbst nach dem Tod, traut der Türke dem Armenier nicht und fliegt nicht mit ihm in Richtung Himmel.
Das Stück war hervorragend Inszeniert und die Leistung der Schauspieler war großartig.
Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass die Schauspieler nur wenige Wochen zur Vorbereitung haben und es wirklich nicht einfach ist, sich in solch ein schweres Thema einzuarbeiten, zu verstehen, was passiert ist und auch diesen Schmerz auf der Bühne darstellen zu können.
Im Nachgespräch mit den Schauspielern, dem Regisseur (Mario Portmann) und weiteren Beteiligten an dem Stück wurde deutlich, dass alle sehr viel über das Thema wussten und auch von uns mehr erfahren wollten. Man hatte nicht das Gefühl, dass es für die Schauspieler nur Rollen waren, die sie darstellten und all die Emotionen einfach so wieder abschüttelten, sondern dass sie wirklich mit dem armenischen Volk mitfühlen.
Wir danken dem Theater Konstanz für die Bühnenfassung des gleichnamigen Romans von Edgar Hilsenrath. Besonders bedanken wir uns beim Regisseur, Mario Portmann und bei den Darstellern
Herbert Wegner (Thovma Khatisian), André Peter Rhode (Meddah | Wartan Khatisian), Friederike Pöschel (Meddah | Zovinar Khatisian, Wartans Mutter | Anahit), Thomas Fritz Jung (Meddah |Hagob Khatisian, Wartans Vater |Müdir), Eléna Weiß (Meddah | Hamest Khatisian, Wartans Großmutter |Arpine), Franziska Kleinert (Meddah |Bülbül |Wali).
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